Norddeutsches Bewachungs-Institut in Bremen
Interview mit Markus Joppien, Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe Norddeutsches Bewachungs-Institut in Bremen.
Welche Sicherheitsvorkehrungen empfehlen Sie jedem für das eigene Haus bzw. für die eigene Wohnung?
Es gibt für die Vielzahl von Gefahren, die uns persönlich und unserem Zuhause drohen, ganz unterschiedliche Maßnahmen, Risiken zu reduzieren. Zunächst sind die Gefahren, die das Leben und die Gesundheit unserer Familien bedrohen, zu unterscheiden. Die Elementargefahren z.B. durch Wassereinbruch, Feuer oder Sturm lassen sich hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit eines Eintritts durch Vorsorgemaßnahmen günstig beeinflussen, d.h. Sensibilisierung aller Bewohner auf die Gegenwärtigkeit der Risikosituation, alltägliche vermeidbare Risikoerhöhungen durch richtiges Handeln unterlassen und bei Eintreten der Gefahren das Ergreifen der vorab festgelegten Schadenminderungsmaßnahmen.
Weitere Gefahren drohen durch Kriminelle, die das Leben und die Gesundheit der Bewohner eines Hauses gefährden, z.B. durch Einbruchdiebstahl, während die Bewohner des Hauses anwesend sind. Auch hier spielen die richtigen alltäglichen Verhaltensweisen eine wichtige Rolle. Terrassen- und Balkontüren z.B. nicht unbeobachtet offen stehen lassen und auch bei Anwesenheit die Haustür immer abschließen und den Schlüssel aus dem Schließzylinder ziehen. Neben den mechanischen Sicherungen, die nachträglich installiert allerdings oft viel Geld kosten, lassen sich mit geringem wirtschaftlichem Aufwand technische Sicherheitseinrichtungen in Haus oder Wohnung installieren, die einerseits Kriminelle bereits in der Planungsphase Ihrer Straftat abschrecken und bei dennoch verwirklichtem widerrechtlichen Eindringen den Umstand schnell „öffentlich bekannt geben“ bzw. gezielt Hilfskräfte mobilisieren. So ist immer wieder zu beobachten, dass nach einer Reihe von mehreren Einbrüchen an einem Objekt, die Serie schlagartig nach der Installation eines Alarmsystems abreißt. Die Abschreckung, die durch eine erkennbare Ortsalarmierung, also Sirene und Blitzlampe und flankierend auch durch Schilder oder Aufkleber an Fenster und Türen ausgelöst wird, ist sehr wirksam.
Die Wirkung einer Alarmanlage ist also auch prophylaktisch, denn für die Täter ist bei der Auswahl ihres Objekts immer auch die Gefährdung der eigenen Entdeckung und der hiermit verbundenen Gefahr der Strafverfolgung relevant. Der Täter favorisiert hierdurch eher Objekte, die nicht geschützt sind. Wird durch einen Täter bei Betreten des Hauses oder der Wohnung ein Einbruchalarm ausgelöst, sind die Bewohner über den Eintritt der Gefahr informiert und können durch die eingetretene Situation nicht mehr überrascht werden, sondern können Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und polizeiliche Hilfe anfordern. Aber auch wenn sich die Gefahr durch Kriminelle nicht gegen uns persönlich wendet, sondern nur unser Eigentum zum Ziel hat, bieten technische Sicherheitssysteme Schutz. Erfahrungsgemäß werden viele Einbrüche auch tagsüber verübt, wenn die Bewohner durch Lebensumstände nicht zuhause sind. Auch in diesem Falle erschreckt das Aufheulen einer Sirene und das Blinken einer Blitzlampe wirksam den Täter, der aus Angst vor Strafverfolgung seine Absicht aufgibt und rasch die Flucht ergreift.
In diesem Zusammenhang sollte sichergestellt sein, dass ein Alarmsystem nicht allein vor Ort den Einbruch signalisiert, sondern auch eine Aufschaltung des Alarmsystems zu einer 24 Std. besetzten Notruf-Zentrale besteht, damit sich unmittelbar Bemühungen zur Feststellung des Einbruchs anschließen können und unverzüglich Schadenminderungsmaßnahmen ergriffen werden können. Empfehlenswert sind hier Konzepte „aus einer Hand“, also die Auswahl eines Sicherheitsunternehmens, welches nicht nur Alarmsysteme einbaut sondern auch die Folgedienstleistungen wie die Aufschaltung von Alarmsystemen und die Alarmverfolgung durch Sicherheitsmitarbeiter anbietet. Zusammenfassend besteht die Erhöhung der Sicherheit für Haus oder Wohnung also zunächst aus den alltäglichen risikoorientierten Verhaltensweisen sämtlicher Familienmitglieder, das Nutzen und ggf. das nachträgliche Installieren von mechanischen Sicherungen und den Schutz durch Alarmsysteme sowie die Aufschaltung des Systems zu einer Notruf-Zentrale.
Wie macht man – z.B. für den Urlaub – sein Haus einbruchsicher?
Es ist immer wieder überraschend, wie viele Menschen in unserem Umfeld von dem Umstand wissen, dass wir in den Urlaub fahren. Zunächst erzählen wir Freunden, Nachbarn, Kollegen und unseren Familienmitgliedern, dass wir endlich zu den schönsten Wochen des Jahres aufbrechen, die es wiederum unbedacht weitererzählen. Vielleicht bestellen wir unsere Tageszeitung ab. Unser Auto steht tagelang unbewegt vor dem Haus und die Rollläden sind permanent verschlossen. Unser Rasen im Garten wird immer länger oder die Balkonpflanzen vertrocknen und aus dem Briefkasten quillt die Post. Manchmal weist sogar der Gruß des Anrufbeantworters komfortabel aus, ab wann und bis wann wir uns im Urlaub befinden. Diese Umstände führen dazu, dass ungewollt eine Vielzahl von Menschen bemerkt, dass derzeit unser Haus oder unsere Wohnung unbewohnt ist. Für potentielle Täter bedeutet dies, dass die Gefahr einer Entdeckung deutlich niedriger ist, als wenn unser Haus bewohnt wäre. Es steigt also in der Beliebtheit für einen Einbruch auf. Um dem entgegen zu wirken, sollten wir also Maßnahmen wählen, die unser Haus bewohnt erscheinen lassen. Hier gibt es eine Vielzahl richtiger Sicherheitsplanungen und einfacher technischer Möglichkeiten.
Falls möglich, sollten Nachbarn oder Freunde wenigstens einmal täglich unser Haus inspizieren, um hierbei ggf. eingetretene Schäden feststellen zu können. Garten- und Pflanzenpflege lassen sich ebenfalls auf gleichem Wege sicherstellen. Rollläden sollten nur dann dauerhaft geschlossen bleiben, wenn diese auch tatsächlich über eine Sicherung gegen Hochschieben verfügen und aus festem Material sind. Alle anderen Rollläden sollten morgens geöffnet werden und erst abends wieder geschlossen werden. Alle Fenster sollten geschlossen sein, die Fenstergriffe abgeschlossen sein und die Zugangstüren fest verriegelt. Zeitschaltuhren mit „Zufallsschaltung“ an Lampen simulieren Belebtheit.
Wer nicht auf hilfsbereite Freunde und Nachbarn zurückgreifen kann, sollte sich mit einem etablierten und seit vielen Jahren am Markt befindlichen Sicherheitsunternehmen in Verbindung setzen. Briefkastenentleerungen und Rundgänge um das Haus oder auch im Haus sind im Stadtbereich für € 10 täglich machbar. Das Rasenmähen erledigt günstig ein regionaler Gartenbaubetrieb – viele Sicherheitsunternehmen arbeiten für solche Fälle sogar mit einem Gärtner zusammen. Maximalen Schutz für die Urlaubszeit bietet auch hier wieder die Alarmanlage, die neben der abschreckenden Prophylaxefunktion auch tatsächlich einen Einbruch erkennt, den Täter durch Sirene und Blitzlampe vertreibt und parallel das Sicherheitsunternehmen informiert, welches unverzüglich einen Sicherheitsmitarbeiter zu unserem Haus beordert.
Ihr Aufgabengebiet ist breit gefächert. Wo arbeiten Sie besonders gern? Was birgt die meisten Gefahren?
Unser Sicherheitsunternehmen hat sich seit 1903 zu einem regionalen Anbieter von Bremerhaven bis Essen aller Sicherheitsdienstleistungen entwickelt. Neben dem klassischen Angebot von Pförtnern und Objektschutz bieten wir an allen Standorten auch die Revierbewachung und die Alarmverfolgung an. Ferner unterhalten wir unsere 24 Stunden besetzte Notruf-Zentrale mit Schlüsselarchiv, zu der Alarmanlagen, Brandmeldeanlagen und technische Alarme sowie Videoanlagen mit Bildfernübertragungen aufgeschaltet sind. In Bremen, Oldenburg und Bremerhaven bieten wir auch die Installation, Wartung und Reparatur von Alarmsystemen an. Als regionaler Anbieter und familiengeführtes Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern sind wir mittelständiger Marktteilnehmer mit einem hohen Potential an Individualisierung für unsere Kunden.
Die Unternehmensgröße bietet einerseits die Möglichkeit, alle Sicherheitsdienstleistungen kompetent selbst anzubieten und andererseits die Nähe zu unseren Kunden, um maßgeschneiderte Lösungen und eine persönliche Betreuung zu ermöglichen. Das Schöne unserer Aufgabenstellung besteht immer wieder darin, dass wir bei Gewerbebetrieben und auch kommunalen Auftraggebern häufig tief in die Organisationsstruktur und in die alltäglichen Besonderheiten der Unternehmen und Ämter vordringen dürfen, um wirtschaftlich vertretbare und sinnvolle Sicherheitskonzepte zu erstellen. Dadurch haben wir Erfahrungen in vielen Bereichen der Wirtschaft gesammelt und bieten branchenspezifisch bereits viele Spezialdienstleistungen, die nur z.B. auf Logistik, Schiffsbau und besonders hohe Wertkonzentrationen ausgelegt sind. Aber auch der Markt der privaten Kunden ist durch die persönlichen Beziehungen gekennzeichnet, denn letztlich macht das gemeinsame Überlegen zu Aufgabenstellungen, das erarbeiten von Lösungen uns schließlich das Umsetzen der Konzepte immer wieder sehr viel Spaß. Unser Mitarbeiter arbeiten abteilungsübergreifend zusammen und sind durch die langjährige Verbundenheit zu unserem Unternehmen mit Freude und Spaß dabei. Ich glaube, anders ist ein Unternehmen auch nicht über 100 Jahren erfolgreich am Markt zu positionieren.
Hinsichtlich Ihrer Frage, was die meisten Gefahren birgt, ist kaum eine klare Antwort zu formulieren. Gefährdungssituationen sind überall – entscheidend ist häufig, welche Folgen aus Beschädigungen oder Zerstörungen erwachsen können. Personenschäden wiegen immer schwerer als Sach- oder Vermögensschäden. Hiernach sind Alarmanlagen mit Überfalltaster oder Videoinstallationen sicher mit einem hohen Anspruch versehen. Aber auch der Vermieter einer Gewerbeimmobilie, der zum siebten Mal seine Wand wegen Graffitischmierereien streichen muss, sieht sich in existentieller Gefahr, wenn er die Immobilie deswegen nicht vermietet bekommt. Betriebsunterbrechungen nach einem Einbruch mit Vandalismus können ebenfalls die Existenz eines Unternehmens bedrohen.
Eine Ihrer Leistungen ist das Stellen von geschulten Sicherheitspersonal für verschiedene Veranstaltungen. Gab es einmal einen besonderen Auftrag, der Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?
Ich selbst bin Vorsitzender des Prüfungsausschusses in der Handelskammer Bremerhaven für die Abnahme der mündlichen Prüfungen zur Sachkundeprüfung und bin daher bestens vertraut mit den Prüfungsinhalten, die jeder Sicherheitsmitarbeiter erlernen muss, um im Veranstaltungsdienst gut seinen Aufgaben gewachsen zu sein. Aber so unterschiedlich die Veranstaltungen sind, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an das Sicherheitspersonal. Von der einfachen Einlasskontrolle bis hin zur Gestellung von kompetenten Informations- und Servicekräften haben wir bislang alle Personalwünsche erfolgreich erfüllt.
Wir haben unsere Mitarbeiter sowohl bei den großen Kirchentagen als auch bei der Fußballweltmeisterschaft zum Einsatz bringen dürfen, betreuen aber auch laufend Kunden die Ihre neuen Betriebe mit Feierlichkeiten einweihen, Messeveranstaltungen durchführen, Festzeltbewachungen benötigen oder auch Schulungsveranstaltungen anbieten. Besonders hervorstechend sind alle außergewöhnlichen Events, die entweder aufgrund des Bekanntheitsgrades der Veranstalter oder Gäste oder wegen der hohen Gefährdung auch außergewöhnliches Sicherheitspersonal mit perfekten Umgangsformen und perfekten Erscheinungsbild oder Spezialausbildungen bedürfen. Für solche Veranstaltungen bieten wir dann auch Personenschutz und Chauffeurservice an und arbeiten mit einem überregional bekannten Cateringservice zusammen. Einzelne Veranstaltungen möchte ich mit Hinweis auf die Vertraulichkeit hier aber nicht nennen. Ich bitte um Verständnis.
Was muss man als Bewerber mitbringen, um in Ihrem Unternehmen einen Job zu bekommen?
Auch dies hängt sehr vom jeweiligen Einsatzgebiet ab. Zumeinen gibt die Gewerbeordnung verbindlich einige Kriterien für alle Mitarbeiter im Sicherheitsgewerbe vor, z.B. das Mindestalter von 18 Jahren, Unbescholtenheit, Zuverlässigkeit und die Unterrichtung nach §34a der Gewerbeordnung zur Vermittlung von Grundwissen im Zivil- und Strafrecht, in den Unfallverhütungsvorschriften, einige Grundzüge der Sicherheitstechnik und den psychologischen Umgang mit Menschen und die Deeskalation in Konfliktsituationen. Durch betriebsinterne Schulungen gewährleisten wir die Nachhaltigkeit der Ausbildungsinhalte und stellen damit sicher, dass unsere Mitarbeiter auch im Konflikt- oder Notfall mit kühlem Kopf die richtigen Maßnahmen ergreifen. Die Sachkundeprüfung wird für Sicherheitsmitarbeiter vorgeschrieben, welche im öffentlichen Verkehrsraum oder im privatrechtlichen Bereich mit tatsächlich öffentlichem Verkehr – z.B. in Einkaufscentern – oder auch bei Zutrittskontrollen vor gastgewerblichen Diskotheken ihren Dienst versehen. Diese zusätzliche Ausbildung wird von den Handelskammern bundesweit angeboten und vertieft die Themen der Unterrichtung.
Aber die wesentlichsten Voraussetzungen, die ein Sicherheitsmitarbeiter mitbringen muss, ist neben der Bereitschaft, sich in die Aufgabenstellung des jeweiligen Auftraggebers hineindenken zu können, sich stets loyal zu verhalten und unbeirrt zuverlässig und sorgfältig die dienstanweisungsgemäßen Handlungsweisen zu erbringen, Stillschweigen über betriebliche Interna zu wahren und alle Kraft und Bemühung in den Schutz und die Verteidigung der anvertrauten Werte aufzubringen. Nur mit dieser Einstellung unserer Mitarbeiter ist gewährleistet, dass unsere Kunden dauerhaft zufrieden mit unserer Personalauswahl sind und wir auch hoffentlich weitere 100 Jahre für die Sicherheit unserer Kunden sorgen dürfen.
Interview vom 8. September 2010
Weitere Informationen finden Sie hier über das Norddeutsche-Bewachungs-Institut in Bremen oder auf der Homepage www.nbi-sicherheit.de.